Erfolge und Rückschläge auf dem Osterturnier

Sechs Freiberger in Deizisau

 

A-Turnier

 

C-Turnier

Eine kleine Schar junger Leute traf auf dem Bahnsteig des Freiberger S-Bahnhofs ein. Sofort begann ein aufgeregtes, lautstarkes Gespräch unter den alten Bekannten. Umstehende Leute drehten sich mit seltsamen Blicken zu der Gruppe um, als sie Begriffe wie Schweizer System, Buchholz und Wertungszahl vernahmen.

Irritiert dachte sicher der ein oder andere Reisende an einen neuerlichen Skandal im Schweizer Finanzmilieu. Doch weit gefehlt! Es ist der 17. April 2014, Gründonnerstag, und das Osterwochenende steht kurz bevor. Die Gruppe von acht jungen und sehr jungen Männern gehört zu den Schachfreunden Freiberg und ist auf dem Weg ins beschauliche Deizisau am Neckar. Dort wird bereits das achtzehnte Mal in Folge das größte offene Schachturnier Deutschlands ausgetragen. Auch dieses Jahr nahmen insgesamt fast 750 Schachspieler an dem regen Treiben teil. Unter dem aufmerksamen Blick des Jugendleiters Carsten Wübbens versammelten sich die Schachfreunde Sami Aydin und Sami Eid, Andrej Baric, Niclas Günther, Felix Lehmann, Matthias Steinhart und Marius Stockburger.

Wie jedes Jahr gliederte sich das Neckar Open in die drei Teilturniere A, B und C, die nach Spielstärke abgestuft sind. In jedem der drei Open wurden neun Runden im Schweizer System ausgefochten, und zwar um große Summen! Der erste Platz des A-Opens war mit satten 3.000 dotiert, sodass es nicht verwundert, dass zahlreiche Großmeister und andere Titelträger teils aus dem Ausland anreisten.

Von uns traute sich nur Matthias in das stark besetzte A-Turnier, während Andrej im B-Turnier kämpfte und die übrigen fünf Recken im C-Turnier ihre Kräfte maßen. Der Berichterstatter nahm dieses Jahr nicht am Wettkampfgeschehen teil, da er durch sein Studium an einer guten Vorbereitung gehindert wurde. Statt also schlecht und lustlos zu spielen, konzentrierte er sich voll auf die Unterstützung der übrigen sieben Spieler.

Das C-Turnier ist geeignet für Schachspieler ohne Wertungszahl sowie bis zu maximal 1400 DWZ. So tummelten sich dieses Jahr über 70 Hobbyspieler, Anfänger und Wiedereinsteiger. Bemerkenswert ist dabei die Altersspanne: Während die jüngsten Starter gerade mal 6 Jahre zählten, fochten die ältesten Teilnehmer mit über 70 Lenzen noch immer ein scharfes Schwert.

Sami Eid sicherte sich aus einer hinteren Position in der Startrangliste verdiente 1,5 Punkte. Sami Aydin, unser jüngster Teilnehmer, holte sich beachtliche 3 Punkte. Für Niclas, Felix und Marius lag die Messlatte deutlich höher, da sie mit deutlich größeren Wertungszahlen ins Turnier gingen. Doch auch sie konnten mit ihrer Leistung überzeugen. Niclas errang 3,5 Punkte aus den Begegnungen mit starken Gegnern, Felix sicherte sich hervorragende 4 Punkte aus nur sieben Partien und Marius rundete die ganze Sache ab. Er holte satte 4,5 Punkte aus neun Runden. Damit schaffte er auch die höchste Punktezahl, die ein Freiberger dieses Jahr errang!

Und wenn einmal eine Partie schief ging, so war der Trainer nicht weit und in der Vorhalle wurde gemeinsam nach Fehlern und Möglichkeiten zur Verbesserung gesucht. So trugen selbst die schmerzlichsten Niederlagen noch zum Lernen und Steigern bei. Besonders freute sich der Trainer, dass die Schachspieler im Laufe des Turniers Fehler ablegten, die sie zu Beginn noch den ein oder anderen Punkt kosteten. Das C-Turnier ist für alle empfehlenswert, die es verkraften, auch mal einzustecken und zu verlieren. Das Gewinnen macht dadurch erst richtig Spaß und ist umso kostbarer.

Im B-Turnier erreichte Andrej zwar mit 4 Punkten fast 50% Ausbeute, doch waren seine Gegner im Durchschnitt einige Punkte schwächer als er, sodass er dennoch einen gewissen Verlust in seiner Wertungszahl verkraften muss. Mit dem Hintergedanken, dass Andrej durch die Auswertung der Kreisklasse jedoch diese Verluste ausgleichen kann, lässt sich auch das gut wegstecken.

Unser Ältester, Matthias, tat sich im A-Turnier besonders schwer. Einerseits war er nicht so fit, wie erhofft, andererseits hatten alle anderen Teilnehmer eine höhere DWZ. Dies bedeutete besonders anstrengende, zeitintensive Kämpfe. Unterm Strich konnte Matthias 1,5 Punkte erbeuten, hätte aber mit ein wenig mehr Glück durchaus auch 3 Punkte holen können.

Für den Verein ist die Gesamtbilanz dieses Turniers ausnehmend gut. Auf der Gewinnseite haben vier Spieler 381 DWZ gewonnen, auf der Verlustseite drei Spieler nur 124 DWZ verloren, sodass für das Team ein Gewinn von 257 DWZ-Punkten übrig bleibt!

Bericht: Carsten Wübbens und Niclas Günther
Fotos: Carsten Wübbens