Hermann Scholl

Hermann Scholl am Schachbrett

Hermann Scholl war einer der Gründer unseres Vereins Mitte der 1980er Jahre. Danach war er jahrelang als Vorsitzender die treibende Kraft, die den Verein am Laufen hielt. Mit seinem Organisationsgeschick, seinem ruhigen Temperament, seiner Umgänglichkeit, aber wenn es sein musste auch Festigkeit war er der ideale Vereinsvorsitzende. Zweifellos kam ihm dabei seine berufliche Führungsrolle als Richtmeister beim Bau zugute. Bei den gemeinsamen Vereinsabenden und Wettkämpfen war er stets präsent und ansprechbar. Jung und Alt fühlten sich mit ihm wohl. Auch bei den anderen Vereinen im Schachbezirk genoss er hohes Ansehen.

Penibel achtete er darauf, dass die Kasse korrekt geführt wurde und die finanzielle Grundlage stimmte. Legendär waren die von ihm organisierten Auftritte auf dem Bürgerfest. Perfekter Einkauf, Aufbau, Bewirtung und nicht zuletzt sein Talent, Vereinsmitglieder und deren Familien zum Mitmachen zu bewegen waren die Voraussetzung, dass unsere Zelte und Tische ein belebter und beliebter Ort der Geselligkeit waren.

Um die Jahrtausendwende legte er den Vereinsvorsitz nieder, um Jüngere ans Ruder zu lassen. Er blieb jedoch weiterhin im Vereinsleben hellwach aktiv, sowohl in schachlicher als auch in sozialer Hinsicht. Ein schöner Knalleffekt gelang ihm beispielsweise im Alter von 70 Jahren bei einem unserer Blitzschach-Abende mit Schwarz:

Weiß: Kg1, Dh4, Te1, Te3, Lb3, a2, b2, c3, f2, g2, h2; Schwarz: Kf8, Dg6, Ta8, Te8, Se5, a7, b7, c7,d6, f7, g7, h6

1. ... Sf3+ !! Der Springer kann nicht geschlagen werden, denn der Bauer auf g2 ist gefesselt, und falls 2. Txf3, so 2. ... Txe1 matt. Weiß muss den König ziehen und verliert die Dame.

2013 ehrte ihn die Stadt Freiberg mit der Bürgermedaille für seine besonderen Verdienste um den Verein und die Kultur der Stadt. Wir Schachfreunde würdigten seine Verdienste, indem wir ihn nach seinem Rücktritt vom Vorsitz unbefristet zum Ehren-Vorsitzenden ernannten.

Einige Zeit später erlitt er einen zunächst unerkannten Schlaganfall. Dieser verlief relativ glimpflich, Hermann war in seiner Beweglichkeit kaum eingeschränkt, und man konnte weiterhin gute, gehaltvolle Gespräche mit ihm führen. Beim Schach machte sich jedoch bemerkbar, dass Konzentration und Ausdauer gelitten hatten, so dass er sich aus dem Wettkampf-Betrieb zurückzog. Nachdem seine Frau verstarb, gab er sein Haus in Freiberg auf und zog 2021 nach Wertheim in die Nähe seiner Tochter.

Hermann starb am 30. Juni 2026 in seiner neuen Heimat Wertheim im Alter von 89 Jahren. Seine letzte Ruhe findet er im RuheForst von Stadtprozelten.

Michael Beckenkamp